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Manhattan. Oberstes
Stockwerk, höchster Punkt.
Einzige Sicherheitsvorkehrung für den Mann auf dem Dach am Rand des
Abgrunds: eine Balancierstange. Vor ihm das Drahtseil. Unter ihm 417
Meter Tiefe. Es ist beinahe windstill. Philippe Petit macht den ersten
Schritt. Und da ... fällt alle Anspannung von ihm ab. Wie auf Wolken
scheint er zu gehen, unsagbar glücklich, unbeschreiblich frei. Er
läuft acht Mal hin und her zwischen den Türmen des World Trade Centers
an diesem Sommermorgen des Jahres 1974. Er tanzt, er kniet, ja er legt
sich auf das Drahtseil und schaut in den Himmel. Sein Traum ist wahr
geworden. Und die Grenzen dessen, was als menschenmöglich gilt, haben
sich wieder einmal verschoben. Nach einer Dreiviertelstunde lässt sich
der Franzose lächelnd verhaften.
Kaum ein Film der letzten Zeit hat uns so berührt wie der
Dokumentarfilm Man
on Wire über diesen spektakulären Drahtseilakt. "Dieses Leben ist
kurz," sagt Philippe Petit in dem Film. Deshalb: "Tue nur Dinge, die
bedeutend sind. Vergeude keine Zeit mit etwas, das nicht schön, nicht
bereichernd ist."
Für uns ist das ein Manifest. Diese Worte könnten, ja sollten für uns
alle gelten – was nicht heißt, dass jeder Seiltänzer werden sollte...
Der Film erzählt eine grandiose Geschichte über
Freundschaft und ihre Grenzen, aber es ist auch eine Satire über
Autorität und eigenmächtige Regeln. Und er verrät viel über die
Voraussetzungen absoluter Spitzenleistungen. Nämlich erstens:
Bereite dich gründlich vor! Petit
begann mit den Vorbereitungen seiner illegalen Aktion bereits in der
ersten Bauphase der Twin Towers und blieb sechs Jahre lang am Ball.
Als Journalist getarnt recherchierte er akribisch alle Details.
Zweitens: Suche dir
Unterstützer! Mit Freunden richtete Petit in Frankreich ein
Trainingscamp ein. In der Nacht vor der Aktion arbeitete ein ganzes
Team in den Zwillingstürmen mit Hochdruck. Einer der Unterstützer
hatte die entscheidende Idee, wie sich das Seil überhaupt spannen
ließ: Zunächst eine Leine zum anderen Turm hinüberschießen – mit Pfeil
und Bogen!
Und drittens: Was immer Du
tun kannst oder wovon Du träumst - fange es an! Petit sagt: "Du
kannst auf dem Seil nicht zweifeln, über Versagen, Fehler, Pannen
nachdenken. Nur daran, dass du es schaffen wirst. Du kannst nur voll
da sein – mit all deiner Energie. Und klar, es könnte eine schlechte
Vorstellung werden, eine Katastrophe, aber es ist immer noch ein Sieg
über dich selbst. Weil du es gemacht hast, weil du nicht weggerannt
bist."
Absolut kompromisslos. Wir verbeugen uns vor ihm.
Immer noch atemlose Grüße
Anja Förster und Peter Kreuz
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Backstage Talk: Andreas
Niedrig
Wir haben Andreas Niedrig
in Paris getroffen. Ein Typ mit einem Lebensweg wie eine
Achterbahnfahrt: vom Junkie zum Topathleten.
Andreas war heroinabhängig, kam aus der Drogentherapie und entdeckte
den Hochleistungssport. Heute gehört er zu den besten "Ironmen" der
Welt. Das heißt: 3,8 Kilometer schwimmen, dann 180 Kilometer
Radfahren und 42,195 Kilometer laufen…
Wir haben mit Andreas über sein Training, seine Erfolge
und Niederlagen und seine Lieblingslaufstrecke gesprochen.
Das Interview finden Sie hier...
Backstage: TCHO
Wir lieben Schokolade! Aber jedes Mal, wenn wir in einem der
großen Kaufhäuser durch die überall irgendwie ähnlichen "Confiserie"-Abteilungen
schlendern, denken wir: Köstliche Produkte – wenig berauschende
Geschäftsmodelle: Dieselben Traditionshäuser im Hochpreissegment,
dieselben lila oder quadratischen Marken für den Massengeschmack -
und das seit Jahren. Sicher, die Verpackungen sind stylisher
geworden. Aber kaum ändert einer das Design, machen es alle. Und
dieser Nachahmungstrieb betrifft nicht nur die Verpackung:
Schokolade mit Chili oder Pfeffer? Einer macht es – und dann machen
es alle. Fair Trade und Bio? Haben jetzt auch alle im Programm.
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"A year in Beta, your gold
master is now ready" Quelle: www.tcho.com |
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Klar, dass wir begeistert waren, als wir kürzlich in den
USA entdeckten, wie zwei im besten Sinn verrückte Kalifornier das
Schokoladengeschäft gerade neu erfunden haben: Die Schokoladenmarke
TCHO hat ihre Fabrikationshallen direkt am Hafen von San Francisco
angesiedelt und ist ein echtes Schokoladen-Start-up.
Weil man als solches nur schlecht das übliche "Seit
Achtzehnhundertschnee" als Qualitätssiegel auf die hauchzarten
Täfelchen drucken konnte, entstand eine clevere Idee: TCHO entwickelte
über 1.000 (ausgeschrieben: Tausend!) "Betaversionen" neuer
Schokoladensorten, die von den Kunden und baldigen Fans der Marke –
den "TCHO-coholics" – getestet und bewertet wurden. Nach einer rund
einjährigen "Betaphase" sind inzwischen vier Schokoladensorten als
"Version 1.0" erschienen. Leckerclever! Zarte Versuchung trifft
Silicon Valley.
Wer kommt auf solche Ideen? Hier hat sich ein ausgesprochener
Querdenker mit einem Insider zusammengetan. Louis Rosetto, der
Mitgründer des Zeitgeist-Magazins "Wired", hatte Lust, seine süße
Leidenschaft zum Beruf zu machen, aber keine Ahnung von der Branche.
Timothy Childs wiederum hatte als Lebensmitteltechniker fünf Jahre in
der Schokoladenproduktion verbracht und sich dort gelangweilt. Mit
einem guten Schuss Ironie ernannte Firmengründer Rosetto seinen
Mitstreiter Childs zum CCO, zum "Chief Chocolate Officer" und mit Geld
von Freunden und anderen Schokoladenenthusiasten legten die beiden
los.
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The designers refine
the final packaging. Quelle: www.tcho.com |
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Die Grundidee funktioniert ähnlich wie bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia:
Da entstehen ständig neue Inhalte und jeder, der Lust hat, kann sich einbringen.
Im ersten Jahr vergingen manchmal nur 36 Stunden bis den "Betatestern" eine neue
Schokoladenmischung zur Bewertung angeboten wurde. Das Ziel: eine Schokolade,
wie sie die Leute wirklich wollen. Die Faszination: dabei sein, einen
Unterschied machen – und dazu noch ein sinnliches Erlebnis genießen! Dabei
"erziehen" Rosetto und Childs ihre Kunden nebenbei zu Schokoladenkennern, indem
sie in Anlehnung an die Wein-Szene einen Kult um die einzelnen Geschmacksnuancen
– eher "nussig" oder doch "fruchtig"? – betreiben.
Fazit: Während Branchen, in denen Insider die Regeln und Dogmen
definieren, oftmals immer wieder um dieselben kleinen Verbesserungen kreisen,
eröffnen Quereinsteiger, die sich mit den Insidern zusammentun, neue Horizonte.
Darauf eine Tafel "Citrus 1.0"!

Backstage: Google trifft P&G
Wäre es nicht cool, mal was komplett anderes zu machen?
Nicht für immer, aber zumindest mal für einige Wochen… Wie wäre es
beispielsweise, vier Wochen lang im Büro eines Stararchitekten zu
arbeiten und bei der Entstehung eines spektakulären Gebäudes dabei
zu sein? Oder als Bassist mit einer Rockband auf Tour zu gehen? Oder
mal bei einem Actionfilm Regisseur zu sein? Also, wir fänden das
klasse. Es gibt da nur ein kleines Problem: Wir haben nur ein Leben.
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Quellen: www.google.com
& www.pg.com |
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Das haben auch zwei amerikanische Unternehmen gemerkt, die unterschiedlicher
nicht sein könnten: Google und Procter & Gamble. Der Internetriese und der
traditionsreiche Konsumgüterhersteller haben erkannt, dass es für
Mitarbeiter sehr wertvoll ist, ihren Erfahrungshorizont immer wieder zu
erweitern. Und natürlich macht es diese Mitarbeiter auch wertvoll für den
Arbeitgeber. Deshalb haben Google und P&G eine HR- und Managementinnovation
ins Leben gerufen, die so einfach wie genial, so unkompliziert wie
revolutionär, so schlicht wie effektvoll ist:
Sie tauschen Mitarbeiter aus. Oder ganze Mitarbeiterteams. Für eine
begrenzte Zeit und um voneinander zu lernen.
Vielleicht kennen Sie so etwas Ähnliches aus der Politik: Im Zeichen von
Europa tauschen etwa das deutsche und das französische Finanzministerium
regelmäßig Mitarbeiter aus. Bloß dass sich deren Jobs kaum voneinander
unterscheiden. Google und P&G dagegen könnten unterschiedlicher kaum sein:
Produkte, Geschäftsmodelle, Unternehmenskultur. Und genau das macht den
Mitarbeiteraustausch so spannend!
Die beiden Unternehmen haben erkannt, was seit Jahren auch eine unserer
Kernbotschaften ist: In der eigenen Branche kannst du nichts radikal Neues
entdecken, also suche nach coolen Ideen in Branchen, die von deiner
möglichst weit entfernt sind. Wenn ich als Hypodeutschedresdnercommerzbank
meinen Service verbessern will, schaue ich nicht, wie die
Volksundspareisenkasse das macht, sondern sehe mir zum Beispiel das
Servicekonzept der Ritz Carlton Hotels an.
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Quellen: www.google.com
& www.pg.com |
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So weit, so klar – in der Theorie. In der Praxis haben leider immer
noch die wenigsten den Mut, sich für andere zu öffnen oder umgekehrt von anderen
zu lernen. Google und P&G sind hier echte Vorreiter.
Wie groß ist das Risiko? Überschaubar. Im schlimmsten Fall kündigt
ein Mitarbeiter, weil ihm die andere Firma besser gefällt. Die Kosten? Halten
sich auch in Grenzen. Nur der Gewinn ist unendlich hoch.

Outtake: Der Kaugummi
gegen Körpergeruch
Mann, wie ekelhaft! Da sitzt du im Wellnessbereich
eines schönen Hotels in der Sauna und der Typ neben dir hat entweder
anderthalb Pfund Tsatsiki zu Abend gegessen oder schluckt täglich
eine halbe Packung Knoblauchpillen. Toleranz ist eine Tugend, aber
in einer solchen Situation läge man lieber unter den Rädern eines
Achttonners. Oder noch lieber: der Emittent läge drunter.
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Was wir da noch nicht wussten: Der lebenden Stinkbombe in der
Sauna hätte man einfach einen Kaugummi anbieten können.
Natürlich nicht irgendeinen, denn der Mann hatte ja nicht bloß
Mundgeruch, sondern müffelte aus allen Poren. Doch der japanische
Kaugummihersteller Otoko Kaoru verspricht, dass sein Produkt den
übelsten Köpergeruch in Rosenduft verwandelt. L’odeur des roses, kein
Witz! Wenn sich dieses Produkt durchsetzt, ist demnächst Vorsicht
geboten, wenn Ihnen jemand einen Kaugummi anbietet: Es kann eine nette
Geste sein – oder eine Frechheit.
Worauf wir jetzt noch warten: den
Kaugummi, durch den man aus allen Poren nach Knoblauch stinkt – um
sich Platz zu schaffen in überfüllten U-Bahnen, Aufzügen und Saunen...

Up to date: Förster & Kreuz
Gerade haben wir eine Woche am Roten Meer Sonne getankt. Gleich im
Anschluss waren wir zu Gast beim
Schweizerischen
Marketing-Tag in Luzern, wo wir die Eröffnungs-Keynote gehalten haben. Wer
uns in den nächsten Wochen live erleben möchte, kann das bei öffentlichen
Veranstaltungen in
Mannheim am 23. März und in
Wien
am 30. März.
Sehr gefreut haben wir uns über die Feedbacks der Leser des
Business Backstage Reports zur neuen
Kommentarfunktion unterhalb des Editorials. Herzlichen Dank für die
lesenswerten Beiträge! Überhaupt bekommen wir viele Leserzuschriften. Deshalb
arbeiten wir gerade an einer neuen Rubrik, in der Sie Ihre Querdenk-Erfahrungen
mit uns und anderen Lesern teilen können. Mehr dazu in einer der nächsten
Ausgaben. Seien Sie gespannt.



Förster & Kreuz
Förster & Kreuz sind Management-Vordenker einer neuen Generation.
Leidenschaftlich, kämpferisch und erfrischend bringen sie Führungskräfte und ihre Teams dazu, sich aus Denkschablonen zu befreien, Scheuklappen abzulegen und ausgetretene Pfade zu verlassen.
Auf allen fünf Kontinenten fahnden die beiden Managementberater und Bestsellerautoren nach Unternehmen, die so unkonventionell wie erfolgreich sind. Nach Organisationen, denen sich die besten Talente und Kunden anschließen und nach Menschen, die dafür brennen, mit ihrer Arbeit einen echten Unterschied zu machen.

Zu ihren Kunden zählen die Führungsetagen von Bayer, BMW, Deutsche Bank, Gore, IBM, Mars, Porsche, Siemens und weiterer namhafter Unternehmen.
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