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Ausgabe 103
August 2010

 

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Irgendwo zwischen Bäckerei und S-Bahn-Station begegnen wir morgens beim Joggen regelmäßig Mr. Lustlos. Dieser Typ schlurft jeden Tag um die gleiche Zeit mit schwarzer Laptop-Tasche, hängenden Schultern und müdem Blick über die Straße, um dann vom S-Bahn-Schacht verschluckt zu werden.

Das Verrückte ist: Er ist nicht allein. Es gibt Millionen solcher Menschen. Eine ganze Armee, die jeden Tag im Zombie-Modus aus dem Haus trottet, um einer Arbeit nachzugehen, die sie als mühselig und freudlos empfindet.

Wir fragen uns: Was veranlasst Menschen, ein solches Schattendasein zu fristen? Eine Antwort haben wir bei Dostojewski gefunden: "Wer einen Gefangen vom Ausbrechen abhalten will, muss nur sicherstellen, dass der gar nicht weiß, dass er sich in einem Gefängnis befindet."

So freudlos und monoton so ein Leben auch sein mag, Mr. Lustlos hat seine Gründe für seine Entscheidung: Das Gefängnis gibt ein Gefühl der Sicherheit. Sein Leben selbst in die Hand nehmen? Eine Arbeit suchen, die ihm Spaß macht? Die ihm Energie gibt und Lebensfreude schenkt? Das wäre ja auch anstrengend: Die Last der Verantwortung ... Das Risiko, Fehler zu machen ... Nein, auf dem Beifahrersitz des Lebens ist es sicherer!

Aber nichts ist bedrückender, als einer geraden, vorgegebenen Sicherheitslinie zu folgen. Darum geht es doch im Leben: zu erkennen, dass die Wirklichkeit eine riskante Sache ist – und die damit verbundenen Möglichkeiten zu nutzen.

Wir haben uns gegen die Sicherheitslinie entschieden. Sie auch?

Mit lustvollen Grüßen


Anja Förster & Peter Kreuz
 

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Backstage Talk: Uwe Lübbermann



Uwe Lübbermann ist der Gründer von Premium-Cola, einer Getränkemarke, die 2001 von enttäuschten Afri-Cola Trinkern initiiert wurde. Premium-Cola ist alles, außer gewöhnlich: Die Marke wird von einem Internet-Kollektiv nach dem Prinzip der Konsensdemokratie gesteuert. Es gibt Anti-Mengenrabatte, feste Umsatzanteile in die Alkoholismusvorsorge und ein freies Premium-Betriebssystem. Die Idee: Der Welt zu zeigen, dass Kapitalismus auch ohne Profitmaximierung und aggressives Marketing funktionieren kann.

Wir haben uns mit Uwe Lübbermann in Berlin getroffen.
Hier geht's zum Interview
 

 

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Backstage: Little Miss Matched

Kennen Sie das auch? Man steckt ein Sockenpaar zusammen mit der restlichen Wäsche in die Maschine, die treu ihren Dienst tut und anschließend die Wäsche frisch gewaschen und vollzählig wieder ausspuckt, bis auf – eine Socke. Einer der Sockenzwillinge ist im Bermuda-Dreieck verschwunden, das einen Ausläufer in der Waschmaschine haben muss. Die arme Socke ist für immer verschollen.

Drei Entrepreneure aus New York – Arielle Eckstut, Jason Dorf und John Straw –, haben mit unternehmerischem Blick auf das bislang ungelöste Sockenmysterium geschaut und daraus eine überaus clevere Geschäftsidee entwickelt. Um jungen Sockenträgern künftig die Wut und Trauer über diese unvermeidlichen Verluste zu nehmen, gründeten die drei das Label Little Miss Matched: Sie verkaufen Socken nicht als Paar, sondern im Dreierpack.

Der eigentliche Clou der Geschäftsidee:
Keine einzige der drei Socken gleicht der anderen.


Geniale Idee! Little Miss Matched ist bereits ein Trendlabel bei Mädchen um die 12 in den USA. Die Girls lieben es, damit Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

"Wanna see my socks?", fragen sie ihre Kameradinnen im Schulbus.

Wenn sie ihre Jeans hochkrempeln, guckt aus dem linken Hosenbein Gekringeltes, aus dem rechten Gepunktetes raus. Und jeden Tag wird neu kombiniert.

Kleidungsstücke für den individuellen Ausdruck und als Gesprächsanlass – das kommt an!

Eckstut, Dorf und Staw haben 2003 begonnen, einzelne Socken im Dreierpack zu verkaufen. Mittlerweile hat Little Miss Matched einen Umsatz von über 40 Millionen US-Dollar erreicht. Im Angebot stehen neuerdings auch Flip-Flops, Bettwäsche und Socken für Männer und Frauen, die in mehr als 1000 Fachgeschäften und 600 Einkaufszentren über den Ladentisch gereicht werden.

Warum ist Little Miss Matched eigentlich so erfolgreich? Nicht weil sie beste Qualität oder unschlagbare Preise bieten. Das sind Basics. Sondern weil sie ein Produkt wider den Mainstream verändert haben. Weil sie Dogmen gebrochen haben. Weil sie ein vorwiegend funktionales Kleidungsstück zum Identitätsträger erhoben und zum Diskussionsthema gemacht haben.

Little Miss Matched verkauft eigentlich keine Socken, sondern Gesprächsstoff für Menschen.

Und dieser Bedarf ist riesig und genau darin besteht der Wert des Produkts. Man könnte das Social Product Enhancement nennen, soziale Produkterweiterung. Vielleicht eine Steilvorlage für die Weiterentwicklung Ihres Produkts?

Der Schlachtruf von Little Miss Matched:
Nothing matches and anything goes.
 

LINKTIPPS

Homepage Little Miss Matched
Little Miss Matched Kundenfotos
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Backstage: Lufthansa

Über Aufsichtsräte schreiben wir hier eher selten, weil die Protagonisten dieser Gremien oftmals einen allzu ähnlichen Stallgeruch haben: Weiße deutsche Männer zwischen 40 und 60 Jahren, die sich schön bequem in den Schaltzentralen der Macht eingerichtet haben. Mit der ursprünglichen Idee des Aufsichtsrates hat das wenig gemein. Und es ist auch fürchterlich uninteressant.

Was uns aber richtig beeindruckt: Jürgen Weber baut zurzeit den Lufthansa-Aufsichtsrat auf besondere Weise um. Mit einer ganz neuen Mitgliederkonstellation holt er sich echte Sparringspartner ins Boot. Menschen mit ganz unterschiedlichem Background. Branchenfremde mit neuem Blick und frischen Ideen, die etwas beizutragen haben.

Beispiele: Adidas-Chef Herbert Hainer soll helfen, die weltweite Entwicklung der Marke Lufthansa voranzutreiben, Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kamm soll Mittelstandsgeist in den Konzern bringen. Und von Martin Koehler, dem Geschäftsführer von Boston Consulting, der weltweite Erfahrung mit Fusionen und Billigfliegern hat, verspricht man sich die wirklich kritischen Fragen zum Luftverkehrsmarkt. Das Tüpfelchen auf dem i bei dieser Konstellation:

Die Ernannten sind mehr als nur Experten auf ihren jeweiligen Gebieten. Sie sind zehn starke Persönlichkeiten. Top-Leute, die ihre Meinung haben und die so schnell nicht von ihr abrücken werden. So ein Aufsichtsrat ist unbequem!

Unserer Meinung nach hätte Lufthansa kaum klüger handeln können.

Wer sich bewusst den Widerspruch ins Haus holt, der will wirklich weiterkommen.
Wir sind überzeugt, dass gerade harte Diskussionen und unangenehme, aber wichtige Fragen ein so großes und damit wenig bewegliches Unternehmen wie die Lufthansa stärken und agiler machen werden.

Sich eine Scheibe abschneiden von dieser Initiative der Lufthansa kann jeder von uns: Umgebe dich nicht nur mit Menschen, die dich toll finden! Natürlich ist es viel leichter, sich mit Leuten zu beschäftigen, deren Zustimmung man sicher in der Tasche hat – Kommunikation in der Komfortzone. Nur weiterentwickeln wird man sich so nicht.

Frederick Smith, der Gründer und CEO von FedEx ist ein Kronzeuge für dieses Prinzip. Er hat erkannt, welch großes Potenzial in persönlichen Kontakten liegt, wenn es die richtigen sind. Er fragt jeden Gesprächspartner:

„Wer war der interessanteste Mensch, dem du in den letzten Wochen begegnet bist? Und wie kann ich den kennen lernen?“

So sammelt er systematisch Kontakte zu ungewöhnlichen Menschen, die sein Denken herausfordern und ihn dadurch weiterbringen.

Wer es schafft, die vertrauten aber nichtssagenden Geschäftsessen abzusagen und sich stattdessen mit Menschen umgibt, die anders sind als er selbst, wird davon profitieren. Wer Reibung zulässt, den Kontrast sucht und es sich zur Grundhaltung macht, statt nach Expertenwissen nach Persönlichkeiten zu suchen, der wird mit Sicherheit gestärkt.

Und um sich so ein Umfeld zu schaffen, muss man nicht der Chef von Lufthansa oder FedEx sein - noch nicht einmal Führungskraft!

LINKTIPPS

Homepage Lufthansa
Übersicht der Lufthansa Aufsichtsratmitglieder
Rüdiger Kiani-Kress, Wirtschaftswoche: "Die neuen Sparringspartner im Lufthansa-Aufsichtsrat"
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Outtake: Pausenbrote, Bürotassen und das Recht auf Eigentum

Selbstverständlich schließen Sie Ihr Haus ab, wenn Sie morgens aus dem Haus gehen. Ebenso Ihr Auto, wenn Sie die Tür einschnappen lassen und ins Büro gehen. Wie wollen Sie aber ein Pausenbrot abschließen, um es vor den hungrigen Kollegen zu sichern? Oder Ihre Bürotasse, die merkwürdigerweise immer weg ist, wenn Sie einen Kaffee holen wollen?

Privateigentum ist in Deutschland zwar per Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 1, geschützt, aber wenn es keine staatlichen Sanktionen gegen kleptomanische Erscheinungen am Arbeitsplatz gibt, bleibt einem nichts anderes übrig als das Staatsgewaltdefizit zu füllen und Selbstjustiz zu üben.

Dabei hilft zum Beispiel die Schimmeltüte – eine total einfach anzuwendende und aufs Nötigste reduzierte Sicherheitstechnologie, die kein Zubehör braucht und ganz ohne schwere Schlösser und Ketten auskommt. Sie besteht lediglich aus einer Plastiktüte mit der richtig ekligen, täuschend echten grünen, violetten oder gelblich-grauen Schimmelfleckbemalung. Das funktioniert besser als das öffentliche Draufspucken in Kombination mit dem Rufsignal „Meins!“


Auch für den Kampf gegen Tassendiebe gibt es eine neue Waffe: die Stöpsel-Tasse. Wer durch das Bürogetriebe gezwungen wird, seine Tasse unbeobachtet dem diebischen Kollegengesindel zu überlassen, zieht einfach den Stöpsel. Wer mag, kann heimlich beobachten, wie die Bürodiebe sich die Hose mit Kaffee besudeln, der aus dem unverstöpselten Loch fließt.

Dumm nur, wenn dem Eigentümer beim Anblick seiner schimmelbetüteten Stulle selbst das Würgen kommt oder er vergisst, den Stöpsel wieder einzustöpseln, bevor er die Tasse wieder seiner rechtmäßigen Bestimmung überführt ... Eins ist sicher: Nichts ist sicher!
 

 

Up to date: Förster & Kreuz

Unser neues Buch NUR TOTE BLEIBEN LIEGEN steht in den Startlöchern:

Erscheinungstermin: Ab dem 13. September in allen guten Buchhandlungen.

Vorbestellung: Schon jetzt bei Amazon möglich.

Cover: Das neue Buchcover hat ein kräftiges Make-Over bekommen. Der ursprüngliche Entwurf war alles, außer UNgewöhnlich.
Jetzt haben wir ein neues Cover - und was für eins. Wir finden es richtig stark.

Hörbuch: Das haben wir im Juli eingesprochen. Es wird ein wunderschön aufgearbeitetes Produkt für alle, die nicht lesen wollen.
Die Hörbuchausgabe ist eine gekürzte und redaktionell bearbeitete Version des Buchs. Anders als bei den "Vorgängern" teilen wir uns diesmal die Arbeit mit zwei Profi-Sprechern. Ein paar Fotos gibt es hier.
Das Hörbuch erscheint zeitgleich mit der Printausgabe am 13.9. und ist jetzt schon bei Amazon vorbestellbar.

Videos zum Buch: In Frankfurt haben wir einige kurze Videoclips zum Buch gedreht. Einige Fotos vom Dreh sind hier zu sehen.

Szenen aus dem Arbeitsalltag heißt unser neues Album bei Flickr mit "on the job" Fotos von uns beiden

Roadshow zum Buch: Veranstaltungen in 21 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen. Details gibt es in unserem Tourkalender.

Zürich (6.9.); Düsseldorf (16.9.); Dornbirn bei Bregenz (20.10.); Heidelberg (22.10.); Mannheim (23.10.); Klagenfurt (11.11.); Hamburg (18.11.); Interlaken (27.11.); München (2.12.); Reutlingen (13./20./ oder 27.1.); Mainz/Wiesbaden (17.1.); Heilbronn (19.1.); Mannheim (24.1.); Wien (26.1.); Dortmund (27.1.); Münster/Osnabrück (31.1.); Stuttgart (7.2.) ; Siegen (15.2.); Leipzig (15.2.); Berlin (15.2.); Würzburg (21.2.).


Was war noch so los?

Gelesen haben wir unter anderem - mit sehr großem Genuss - das neue Buch von Tom Peters: "The Little Big Things": http://bit.ly/9pGCrO

Und noch ein Tipp: Wenn Sie noch näher dabei sein wollen, dann werden Sie Fan auf unserer Facebook Seite: http://bit.ly/atxjFC







 

Förster & Kreuz

Förster & Kreuz sind Bestsellerautoren und Business Querdenker aus Leidenschaft. Auf allen fünf Kontinenten spüren sie Unternehmen auf, die so unkonventionell wie erfolgreich sind: Organisationen, denen sich die besten Talente und Kunden anschließen. Menschen, die dafür brennen, mit ihrer Arbeit einen echten Unterschied zu machen. Und sie helfen ihren Lesern und Zuhörern dabei, diese Erkenntnisse für sich selbst zu übersetzen.


Zu ihren Kunden zählen die Führungsetagen von Unternehmen wie BMW, Gore, IBM, Mars, Siemens, Swisscom, T-Systems und Xerox. Die beiden Bestsellerautoren wurden mit dem Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet.

Wenn Sie Förster & Kreuz buchen möchten, kontaktieren Sie bitte ihre Agentin Petra Steurer: Telefon (Schweiz): 0041-71-7446522;

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